Zwischen Abschied und Aufbruch

Zwischen Abschied und Aufbruch

803 Fans erleben das erste Heimspiel gegen Münster, doch vor dem Match gedachten die Fans dem verstorbenen Coach Chang Cheng Liu

Bevor in der Meggi der erste Ball über das Netz flog, wurde es am Mitttwochabend still. 803 Fans waren zum ersten Heimspiel gekommen. Jetzt rückte Volleyball in den Hintergrund. Die Borkener gedachten Chang Cheng Liu, der in der Nacht von Montag auf Dienstag im Alter von 62 Jahren gestorben war. Acht Jahre lang trainierte er in Borken und prägte den Verein. Einige Spielerinnen des aktuellen Kaders betreute er noch bis 2024. Für die Skurios Volleys ging weit mehr als ein früherer Trainer verloren. „Wir haben einen guten Freund verloren“, sagte Michael Demming, zweiter Vorsitzender des RSV Borken. Die Schweigeminute endete mit Applaus – ein bewegender Dank an einen Menschen, der hier Spuren hinterlassen hat.

Um 18 Uhr begann das Derby in der DEKRA 1. Bundesliga. Für ein Spiel mitten in der Woche war das ein beeindruckender Zuspruch. In der Mergelsberg-Sporthalle gab es zwei Premieren: Kira Walkenhorst stand erstmals als Skurios-Trainerin bei einem Heimspiel an der Seitenlinie, Felix Pohlan debütierte als Hallensprecher. Es war bereits das dritte Duell binnen weniger Wochen: Zwei Tests hatte Münster mit 3:1 gewonnen.

Im ersten Satz hielten die Skurios Volleys zunächst dagegen. Beim 7:7 war alles offen, dann zog Münster mit fünf Punkten am Stück auf 12:7 davon. Borken fand nicht die nötige Sicherheit in Aufschlag und Annahme. Trotz Auszeiten und Wechseln ging der Satz mit 17:25 verloren.

Im zweiten Durchgang wurde es richtig eng. Nach einem 0:3-Start kämpfte sich Borken zurück. Marika Loker setzte im Angriff Akzente, Hannah Rudde brachte mit ihren Aufschlägen Schwung ins Spiel. Borken zog auf 19:16 davon, führte später 23:22. Der erste Satzgewinn schien greifbar. Doch Münster hatte die besseren Antworten: Die frühere Borkenerin Esther Spöler blockte Loker zum Satzball, anschließend landete Liza Kastrups Angriff im Netz. 23:25 – ein bitteres Ende für Borkens stärksten Durchgang.

Auch im dritten Satz blieb die Mannschaft dran. Auf die frühe 3:1-Führung folgte ein 5:9-Rückstand, doch beim 12:12 war wieder alles offen. Dann setzte sich der USC erneut ab. Borken verkürzte spät von 15:22 auf 18:22, musste den Satz aber mit 20:25 abgeben. Im Ligaspiel kam auch erstmals regulär das Challenge-System in der Meggi zum Einsatz. Beide Trainerteams nutzten es mehrfach, allerdings ohne erfolgreichen Einspruch.

Nach dem 0:3 zum Auftakt in Suhl bleibt Borken ohne Satzgewinn. Doch der Auftritt gegen Münster zeigte auch, dass die Skurios Volleys mithalten können. Walkenhorst analysierte: „Wir haben zu viele Fehler im Aufschlag und in der Annahme gemacht. Das war zu unpräzise.“ Und sie gab sich zuversichtlich: „Wir wissen, woran wir arbeiten müssen. Wir haben noch genug Spiele, um es besser zu machen.“ Bei der MVP-Ehrung wurde Borkens Libera Ditte Kjær Hansen mit Silber ausgezeichnet, auf Münsteraner Seite Franziska Heil.

Text und Foto: Thomas Hacker