„Borken hat mir gezeigt, was Familie im Volleyball wirklich bedeutet“
„Borken hat mir gezeigt, was Familie im Volleyball wirklich bedeutet“
Kalifornien als zweites Zuhause, Borken im Herzen: Mia Feldhaus über College-Volleyball, neue Erfahrungen und ihre Zeit bei unseren Skurios Volleys
Vom Nachwuchs unseres RSV Borken über die Meisterschaft mit unseren Skurios Volleys in der 2. Bundesliga Pro bis nach Kalifornien: Mia Feldhaus hat sich mit einem Volleyball-Stipendium in den USA einen Traum erfüllt. Mittlerweile ist sie dort im zweiten Jahr. Wir haben mit ihr über den College-Alltag, besondere Erlebnisse, die Unterschiede zum deutschen Volleyball und ihre Erinnerungen an Borken gesprochen.
Mia, du hast dir mit dem College-Volleyball einen Traum erfüllt. Wie hat es sich angefühlt, als du zum ersten Mal in den USA angekommen bist?
Als ich zum ersten Mal in LA gelandet bin, hat sich das komplett surreal angefühlt. Überall waren Palmen und ich hatte das Gefühl, an eine krasse Urlaubs-Destination zu reisen. Fast wie im Paradies! Gleichzeitig wusste ich überhaupt nicht, was mich erwartet. Plötzlich war alles neu: die Kultur, die Sprache und der ganze Alltag. Auch dass ich meine Familie und Freunde nicht einfach sehen konnte, wann ich wollte, war ungewohnt. Dafür lernt man schnell, selbstständig zu werden, und hat ganz neue Freiheiten. Mittlerweile habe ich hier eine gute Routine entwickelt und Kalifornien fühlt sich wie ein zweites Zuhause an. Das ist manchmal komisch: Wenn ich in den Semesterferien in Borken bin, vermisse ich Kalifornien. Und wenn ich hier bin, vermisse ich meine Familie und Freunde zu Hause. Irgendwie fehlt einem immer ein Ort.
Was ist auf dem Feld der größte Unterschied zwischen College-Volleyball und dem Volleyball in Deutschland?
In den USA wird sehr viel Wert auf Athletik, Intensität und körperliche Vorbereitung gelegt. Wir trainieren drei bis vier Stunden täglich und haben dreimal pro Woche Krafttraining. Die Bedingungen in der Halle und im Fitnessstudio sind super. Auch das College-System ist sehr professionell organisiert. Volleyball ist ein großer Teil des Studentenlebens und die Professoren haben viel Verständnis für uns Sportler. Volleyballerisch ist für mich der größte Unterschied, dass Liberos hier aufschlagen dürfen. Das finde ich super, weil ich in Deutschland nie die Chance dazu hatte und hier sogar mit meinem Aufschlag Punkte machen kann!
Du hast schon in deiner ersten Saison viel Spielzeit bekommen. Was hat dich sportlich besonders weitergebracht?
Vor allem das intensive Training und die hohen Anforderungen. Ich musste mich schnell an das neue Umfeld anpassen und lernen, Verantwortung zu übernehmen. Da ich aus einem sehr professionellen Umfeld in Borken kam, war ich es bereits gewohnt, auf einem hohen Niveau zu trainieren und hohe Erwartungen an mich selbst zu haben. Viele meiner Mitspielerinnen kamen direkt aus der High School. Deshalb war ich in manchen Bereichen vielleicht schon etwas weiter und konnte auch als Teamleader eine wichtige Rolle übernehmen. Das hat mir geholfen, meine Erfahrungen einzubringen und mich selbst weiterzuentwickeln.
Gibt es ein Spiel oder einen Moment, der dir besonders in Erinnerung geblieben ist?
Ein Highlight war definitiv unser Trip nach Hawaii in der letzten Saison. Wir hatten dort auch einen Off-Day und konnten die Insel erkunden. Das hat sich wirklich wie im Paradies angefühlt. Auch die Arena, in der wir gespielt haben, war crazy! Es waren so viele Fans da und die Atmosphäre war einfach etwas Besonderes. Dazu kam, dass es eines unserer besten Spiele war und wir als Team eine richtig positive Stimmung hatten. Diesen Trip werde ich auf jeden Fall nicht vergessen.
Wie bekommst du Studium, Training, Spiele und Freizeit unter einen Hut? Und wie sieht ein typischer Spieltag bei dir aus?
Es kann schon ziemlich stressig sein. Der Alltag ist sehr durchgeplant und man muss lernen, seine Zeit gut einzuteilen. Oft muss ich noch für die Uni lernen, obwohl ich vom Training müde bin oder gerade von einem Auswärtsspiel zurückkomme. Besonders während der Saison ist das anstrengend. Sie dauert nur drei Monate und deshalb haben wir jeden Freitag und Samstag Spiele. Das kann körperlich schon viel werden. Trotzdem ist es ein Vibe, mit dem Team durch ganz Kalifornien zu reisen. Vor allem die Spiele, zu denen wir fliegen, fühlen sich echt cool an. An Spieltagen selbst schlafe ich gerne so lange wie möglich und starte langsam in den Tag. Was auf keinen Fall fehlen darf, ist etwas Treatment von unseren Physios und ein Kaffee!
Was gefällt dir am Leben in den USA besonders gut? Und was vermisst du aus Borken am meisten?
Ich finde es toll, wie viele neue Erfahrungen ich hier sammeln und wie viele Menschen aus unterschiedlichen Kulturen ich kennenlernen darf. Auch die Möglichkeiten, die man hier als Student-Athlete bekommt, sind etwas Besonderes. Am meisten vermisse ich natürlich meine Familie und meine Freunde. Aber auch die Atmosphäre bei unseren Heimspielen in der meggi fehlt mir sehr. Und mit Spielerinnen wie Marika und Hannah in einem Team zu stehen.
Wenn du an deine Zeit bei den Skurios Volleys zurückdenkst: Was hast du aus Borken mitgenommen?
Ich bin so dankbar für meine Zeit bei den Skurios! Ehrlich gesagt denke ich oft daran zurück und erinnere mich an all die schönen Momente. Am meisten vermisse ich die Auswärtsfahrten im Bus und die ganzen Stories, die auf unseren Trips entstanden sind. Wenn ich darüber nachdenke, habe ich auf jeden Fall die Liebe zum Sport mitgenommen. Den Zusammenhalt, den ich in Borken erlebt habe, schätze ich heute noch viel mehr. Und das nicht nur innerhalb der Mannschaft, sondern auch mit all den Helfern und jedem, der bei den Spielen dabei ist. Borken hat mir gezeigt, was Familie im Volleyball wirklich bedeutet, und dafür bin ich für immer dankbar.
Würdest du dich wieder für diesen Weg entscheiden? Und was rätst du jungen Spielerinnen, die ebenfalls von einem College-Stipendium träumen?
Ja, ich würde mich definitiv wieder dafür entscheiden. Natürlich ist es nicht immer einfach, so weit weg von zu Hause zu sein und sich in einem neuen Land ein komplett neues Leben aufzubauen. Aber ich habe schon jetzt unglaublich viel gelernt und bin als Mensch viel eigenständiger geworden. Anderen Spielerinnen würde ich raten, sich früh zu informieren und an ihre Träume zu glauben. Am Ende kommt eh alles so, wie es soll. Auch wenn man vielleicht Angst hat, seine Komfortzone zu verlassen, ist es oft gar nicht so schwer, wie man denkt, wenn die Entscheidung erst einmal gefallen ist. In den USA zu spielen, bringt einfach so viele Chancen und Erfahrungen mit sich, die einen im Leben weiterbringen können.
Das Interview führte Thomas Hacker
Foto. Cal State Fullerton Titans